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Greenpeace im Nachhaltigkeitszelt


Greenpeace im Nachhaltigkeitszelt

von Hans Forstner, Gruppenkoordinator

Auch dieses Jahr präsentiert sich Greenpeace Moosburg wieder im Nachhaltigkeitszelt auf dem Uferlos. Thematisch legen wir den Fokus dieses Mal auf den Luftverkehr und seine Funktion als wesentlicher Treiber des Klimawandels. Der Bezug zum regional beherrschenden Thema des geplanten Flughafenausbaus liegt auf der Hand.

Daß der Luftverkehr bzw. die bei der tonnenweisen Verbrennung von Kerosin entstehenden

CO2-Mengen zur Klimaerwärmung beitragen, steht wohl außer Frage.

In welcher Größenordnung geschieht das aber?

Im Jahr 2014 lag der Anteil des Luftverkehrs an den weltweiten CO2-Emissionen bei 2,55%. Das mag wenig erscheinen. Es entspricht aber in etwa dem Anteil Deutschlands an der weltweiten CO2-Emission (2,4% im Jahr 2011).

Und in beiden Fällen machen die Verursacher dieser Emissionen nur einen kleinen, aber privilegierten Teil der Weltbevölkerung aus: Deutschland stellt etwa 1% der aktuellen Weltbevölkerung,

und ca.90% aller unserer Mitmenschen haben noch nie ein Flugzeug von innen gesehen.

 

Flugreisen – ein schmutziges Hobby

Schaut man sich die Verhältnisse konsequenterweise dann einmal unter dem Gesichtspunkt der Verteilungsgerechtigkeit an – und da bietet sich als Parameter die Pro-Kopf-Emission an – so ergibt sich gleich ein dramatisch anderes Bild.

So stieß der durchschnittliche Bundesbürger im Jahr 2014 8,89 Tonnen CO2 aus, davon 0,58 t fürs Fliegen. (der weltweite Durchschnitt liegt bei 4,97 Tonnen)

Richtig interessant wird es aber bei der Betrachtung, wie viel die einzelne Flugreise zum Gesamtausstoß beiträgt.

Dazu ein paar ausgewählte Beispiele:

  • der Wochenendausflug nach Mallorca verursacht  0,67 t
  • der Shopping-Trip nach New York  3,95 t
  • und die von vielen frischgebackenen Abiturienten gern unternommene Reise nach Neuseeland schließlich schlägt mit 11,28 t zu Buche.

 

(Alle Werte sind mit dem CO2-Rechner des Umweltbundesamts ermittlet worden und verstehen sich als Pro-Kopf-Werte für einen Hin- und Rückflug von München aus in der Economy ).

 

Die Zahlen zeigen klar, daß mit Flugreisen, und hier vor allem mit Fernreisen, die Mobilitätsansprüche einer privilegierten Minderheit zu Lasten aller anderen befriedigt werden.

Ein unter Klimawandelaspekten schmutzigeres Hobby als Flugreisen wäre eigentlich nur noch, mit dem Leopard2-Kampfpanzer alleine zum Wandern in die Berge zu fahren (CO2-Ausstoß: 1500g pro km), wobei aufgrund der geringeren zurückgelegten Distanzen evtl. in der Summe sogar der Panzer weniger klimaschädlich wäre.

Folgerichtig ist deshalb für jedes Mitglied dieser privilegierten +/-10% „Überflieger“ die mit Abstand größte Stellschraube an seinem persönlichen Footprint die Anzahl der von ihm zurückgelegten Flugmeilen – oder eben der Verzicht darauf.

Oder, wie der Postwachstumsökonom Niko Paech meint: „Ob ein Mensch klimafreundlich lebt, hängt von  seinen Flugreisen ab.“

Aus all dem läßt sich rational eigentlich nur ein Schluß ziehen: der Flugverkehr muß zurückgeschraubt werden, auch, um die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens zu erreichen;  auf keinen Fall aber darf weiteres Wachstum in diesem Sektor stattfinden.

Realität aber ist: Der Luftverkehr boomt. Der Flugverkehr ist der am stärksten angewachsene Sektor bei den Emissionen aus dem Verkehr. Ihm wird heute ein Beitrag zur Klimaerwärmung von etwa vier bis fünf Prozent zugerechnet, Tendenz schnell steigend. Das Umweltbundesamt erwartet eine Verdreifachung der Kohlendioxid-Belastung durch den deutschen Flugverkehr bis 2030, und CO2 ist zudem nicht das einzige Treibhausgas, das Flugzeuge ausstoßen. Durch die direkte Eintragung insbesondere von Stickoxiden und Wasserdampf in hohe Luftschichten entstehen laut dem Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) Klimawirkungen, die zwei- bis fünfmal höher sind, als die durch CO2. Bei Fortsetzung des momentanen Wachstumstempos werden seine Klimawirkungen deshalb bereits in fünf Jahren die des heutigen Pkw-Verkehrs übersteigen.

 

Quelle: https://de.statista.com

 

Vergleicht man den Luftverkehr mit anderen Verkehrsmöglichkeiten auf Basis der Reisezeiten von Tür zu Tür, dann stellt sich heraus, dass das Fliegen für viele innerdeutsche Verbindungen keine oder nur geringe Zeitvorteile bringt. Wege, die bisher über Inlandsflüge vorgenommen wurden, müssen deshalb auf die Bahn verlagert werden. Eine sukzessive Reduktion von Inlandsflügen soll dann schlussendlich dazu führen, dass ab 2035 gar keine mehr stattfinden.

Im internationalen Flugverkehr gilt es unter anderem, die Steuerbefreiung von Kerosin und die Mehrwertsteuerbefreiung für internationale Flüge abzuschaffen ( der damit verbundene Steuerausfall wird vom Umweltbundesamt auf über 10 Milliarden Euro pro Jahr beziffert ). Um den verbleibenden internationalen Flugverkehr zu dekarbonisieren, ist bis 2035 die Umstellung auf klimafreundliche, synthetische Treibstoffe aus erneuerbarem Strom notwendig.

 

Was macht die Politik?

 Die Große Koalition hat von 2013 bis 2017 weder für Umwelt – und Klimaschutz, noch für saubere Luft in Städten oder eine zukunftsfähige Mobilität ernsthafte Anstrengungen unternommen. Es wurden im Gegenteil alle wirksamen Vorschläge blockiert oder Scheinlösungen verabschiedet.

Und gerade der Verkehrsbereich ist ein Sorgenkind des Klimaschutzes. Es fehlt am Willen und am Konzept zum Klimaschutz im Verkehr.

So verwundert es auch nicht, dass die CO2 -Emissionen im Verkehr seit etwa 2013 weiter steigen statt deutlich zu sinken.

Im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung steht zu dem Thema:

„Wir wollen faire Rahmenbedingungen im Einklang mit europäischen und internationalen Regelungen für die Luftverkehrswirtschaft. Dazu gehören die Umsetzung des Luftverkehrskonzeptes, die Entlastung unserer Flughäfen und Luftfahrtunternehmen von einseitigen nationalen Kosten.“

„Die bedarfsgerechte Kapazitätserweiterung der Flughäfen muss auch in Zukunft möglich sein.“

Das hört  sich nicht gerade nach Subventionsabbau oder Wachstumsstop an.

Verkehrsminister Scheuer (CSU) zählt zu den eindeutigen Befürwortern von Wachstum im Luftverkehr – ebenso wie der bayerische Ministerpräsident Söder, der zwar die Entscheidung zum Bau der dritten Startbahn in München zunächst verschoben hat, den weiteren Ausbau des Flughafens aber keineswegs grundsätzlich in Frage stellt.

Dabei versucht man auch, die substantiellen Gesundheitsrisiken für die Anwohner zu ignorieren, die durch Ultrafeinstaubemissionen (UFP) aus den Flugzeugtriebwerken entstehen. Der Bürgerverein Freising führt dazu seit Jahren in Eigeninitiative Messungen durch und hat so die öffentliche Aufmerksamkeit auf dieses brisante Thema gelenkt. Staatsregierung bzw. CSU sowie die FMG weigern sich aber beharrlich, dazu ein offizielles Monitoring durchzuführen oder das Problem auch nur zur Kenntnis zu nehmen.

Genug Gründe also, auch in dieser Hinsicht wachsam zu bleiben und sich für einen möglichst schnellen Stopp des Klimawandels global und gegen weiteres Wachstum im Luftverkehr in der Region zu engagieren.

 

Eine Möglichkeit dazu:  www.moosburg.greenpeace.de

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